Flittern. Ein erster Rueckblick.
Bevor ich später noch was zur re:publica im Allgemeinen und Besonderen schreiben werde, hier erstmal der Rückblick auf unser "Whats happening? Love." - Sessionvortragsdings, das @fraeulein_tessa, @lantzschi und ich ja am Donnerstag abend im Friedrichstadtpalast gehalten haben.
Ich finde, wir haben uns ziemlich gut geschlagen, gerade wenn man bedenkt, dass keine von uns schon mal einen Vortrag vergleichbaren Ausmaßes gehalten hat. Die Bühne ist zudem ungefähr riesig und die Atmosphäre ziemlich einschüchternd. Mal sehen, ob ich mich traue, die Aufzeichnung, die voraussichtlich in den nächsten Tagen online geht (und die ich dann natürlich auch verlinken werde), anzusehen. Aber was man mir bisher so gesagt hat, klingt ganz ok.
Vereinzelt kam die Anmerkung, dass man als "Nicht-twitterer" nicht so gut verstanden hat, worum es eigentlich geht. Wahrscheinlich gabs dann doch auch recht viele Insidersprüche, was mir beim Vorbereiten gar nicht so aufgefallen ist.
Sicher hätte man den Vortrag auch noch mit etwas mehr Inhalt füllen können, aber ich muss auch sagen, dass ich fest davon ausgegangen bin, dass sich mehr Menschen zu uns auf die Bühne trauen. Das nächste Mal würde ich wohl Leute bitten, im Notfall auf die Bühne zu kommen und etwas zu sagen.
Was mich unfassbar gefreut hat und immer noch freut, sind die tollen Artikel, die von DPA und ZdfOnline übers flittern geschrieben wurden. Ich gestehe, dass ich die gerade mehrmals täglich lese und dumm lächeln muss.
Bedanken möchte ich mich auch und gerade beim Saalpublikum, dass dafür gesorgt hat, dass ich mich zumindest nach 10 Minuten ziemlich wohl gefühlt habe auf der Bühne. Und natürlich bei denen, die sich redenderweise zu uns auf die Bühne gesetzt haben. Über seine Gefühle zu reden ist ja immer ein besonderes Wagnis. (Schließlich ist "Liebe" ja das härteste Thema der republica gewesen...) Und es ist noch mutiger, dass auf einer Bühne mit diesen Ausmaßen zu tun.
Also: DANKE.
Hier die beiden Artikel, die ich oben bereits erwähnte:
ZDFheute: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/15/0,3672,8233359,00.html
ZEIT online (DPA-Artikel): http://www.zeit.de/news-042011/15/iptc-bdt-20110415-241-29848390xml
edit: Nadine hat DeutschlandRadio Wissen etwas zum Thema #flittern und über unsere Session erzählt
edit: Ganz vergessen habe ich die Glosse übers flittern, die am Samstag auf der Titelseite des Tagesspiegels war. http://twitpic.com/4lglpe (Das Bild habe ich von @heiko geklaut, ich hoffe, er sieht mir das nach)
Wenn jemand noch andere findet, gerne bescheid sagen oder in die Kommentare posten.
Außerdem ein paar Fotos:
Edit: Die Bilder hat übrigens Dirk Häger gemacht und man kann sie unter CC-Lizenz im re:publica-Ordner auf flickr herunterladen.
Und zu guter Letzt:
Wisst ihr, was das Schönste ist? Wann bekommt man schon mal die Chance, mit zwei großartigen Menschen eine Stunde lang auf einer großen Bühne über ein schönes Thema zu sprechen? Und wie oft kann man dabei wohl auch noch Grasovka trinken? Eben. hach.
Re:publica, Tag 1
Es ist ein bißchen wie bei jedem Familientreffen.
Ich muss mich erst noch warm laufen und an die ganzen Menschen gewöhnen, mit denen ich in den folgenden drei Tagen zwischen Kalkscheune und Friedrichstadtpalast hin und her laufen werde. Die Tatsache, dass das Wetter unfassbar ungemütlich ist und die Workshopräume viel zu klein und das WLAN mehr oder weniger nicht vorhanden, macht die Reizüberflutung nicht unbedingt leichter zu ertragen.
Außerdem feilen @fraeulein_tessa, @lantzschi und ich zur Zeit noch jede freie Minute an unserem gemeinsamen Google-Dokument, welches die Moderationsfragmente unserer morgigen #flittern-Session enthält. Aber es wird. Wort für Wort wächst es und ein roter Faden kristallisiert sich auch heraus. Ich bin unfassbar gespannt, wie ihr das Endprodukt finden werdet.
Hier wird dann ab 19 Uhr geschnapst und geflittert:
Und morgen ist dann hoffentlich auch die Übermenschung verschwunden und ich kann all diejenigen treffen, die ich heute nur von weitem begrüßt habe oder die ich bis jetzt verpasst habe. Außerdem freue ich mich auf spannende Sessions, unter anderem auf Übermorgen TV mit @sixtus, die twitterlesung und Film und Gesellschaft mit @waxmuth.
Und wenn O2 es morgen auch noch hinbekommt, ihr Mobilfunknetz am Friedrichstadtpalast zu reparieren und nur ein kleinwenig die Sonne scheint, dann sollte einem grandiosen zweiten Tag nichts mehr im Wege stehen. Oder?
Der Wombat mag Deine Mudder…
...und würde sie daher auch ganz gerne behalten. (Durch die ganzen Geschehnisse in Japan wird einem gerade ja mal wieder sehr plastisch vor Augen geführt, dass der Mensch die Natur halt nicht beherrscht und auch nie beherrschen wird, auch wenn mancher das gerne glauben möchte.)
(Die Besitzerin des Wombats bedankt sich bei den Grünen Rheinland-Pfalz für die freundliche Bereitstellung.)
Wombat gegen Stuttgart 21
(Man kann jetzt nicht nur gegen Stuttgart 21 Bier oder Wein trinken, nein, man kann endlich auch gegen Stuttgart 21 Schokolade essen. Die ist vom Bioluxushastenichtgesehen Schokoladenhersteller Zotter, passenderweise gefüllt mit Marc de Champagne und im gut sortierten Stuttgarter Biofachhandel erhältlich)
Ich bin dagegen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich schreibe Ihnen heute, da ich von Ihnen enttäuscht bin.
Da launchen Sie extra diese wunderschöne homepage www.die-dagegen-partei.de, auf der Sie Projekte auflisten, bei denen die Grünen dagegen sind und was ist? Sie vergessen das kleinste Bundesland, Bremen. Als gebürtige Bremerin und Dagegen-Seierin bin ich zutiefst enttäuscht. Immer werden wir Bremer vergessen - daran haben wir uns ja fast schon gewöhnt. Sie gehen allerdings noch eine Stufe weiter.
Wählt man auf ihrer homepage das Bundesland Bremen aus, stößt man auf einen Beschluss der Grünen Landtagsfraktion Niedersachsen!!1! Unerhört sowas. Wer Bremen und Niedersachsen in einen Topf wirft, ist wahrscheinlich auch für die Eingliederung von Hamburg in Niedersachsen sowie die Zusammenlegung von Berlin und Brandenburg.
Dabei hätte ein kurzer Blick auf die homepage der Grünen Bürgerschaftsfraktion gereicht, um herauszufinden, dass auch die Bremer Grünen total dagegen sind. Zum Beispiel gegen die Vorratsdatenspeicherung, gegen eine verfrühte Entscheidung in Sachen Weservertiefung oder gegen die Aushebelung des Erneuerbare Energien Gesetzes.
Sicher finden Sie bei erneuter Recherche noch andere Beispiele, die es sich lohnen würde, darzustellen und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Es kann nicht sein, dass wir Bremer immer vergessen werden und hintenrunter fallen. Wir haben 2011 auch Bürgerschaftswahlen (Das sind die Landtagswahlen in einem Stadtstadt, liebe Flächenländler) und wollen in unserem Dagegensein Ernst genommen werden.
Mit besten Grüßen.
Eine Exilbremerin
Listen Listen Listen – reloaded
Zur Feier des letzten Tags in diesem Jahr (und weil ich seit einer Woche bei meinen Eltern bin und langsam aber sicher vor Langeweile vergammele), reaktiviere ich hiermit dieses blog und präsentiere den ultimativen Jahresrückblick 2010 aus dem Hause habicht. Wie immer gnadenlos subjektiv und ohne Anspruch auf irgendwas.
Fangen wir mit dem Wichtigsten an. Musik. Was auch sonst.
Album des Jahres:
The National. High Violet. Keine Diskussion.
Lied des Jahres:
Mit dieser Kategorie habe ich immer meine Probleme. Meistens verliebe ich mich ja in Lieder, weil sie in den Kontext passen und nicht, weil sie gerade neu sind.
Hier also ein Kompromiss, mit dem ich mich anfreunden kann.
Robyn. Dancing on my own. lalalala.
skurilster/schlimmster/heftigster Moment 2010:
Ganz klar der so genannte "Schwarze Donnerstag" am 30.09.2010. Die Landesregierung (oder wer auch immer) lässt die Polizei mit schwerem Gerät, Wasserwerfern und Tränengas den Schlossgarten in Stuttgart freikärchern. Und der habicht mittendrin. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, an dem ich rauchend mit einem Kollegen im Park stand und wir beide feststellten, die Stimmung seitens der Polizei sei irgendwie umgeschlagen. Und ich sagte noch "Irgendwie will ich hier gerade weg. Ich bekomme Angst. Und das mag ich gar nicht". Geschrieben habe ich darüber hier.
Bester Moment 2010:
Noch so eine Kategorie, die mir schwer fällt. Irgendwie, und das ist ja recht erfreulich, gab es 2010 ein paar Momente, die Siegespotential haben.
Nach mäßig langem Grübeln habe ich mich für meine Geburtstagsparty entschieden. Denn, hey, viele Herzensmenschen waren da und ich trug ein Krönchen.
Und sonst so? Das hier:
Winter (viel und viel zu lang), Absagen, Vorstellungsgespräche und Warten auf eine Zusage. ZUSAGE! Dazwischen Berlin, Stuttgart, viele Stunden im Zug, republica, Bundestag, Politcamp, Umzug, Eingewöhnung, Altherrenwitze, die Grüne Zelle, Netzpolitischer Kongress, Netzpolitische Soiree, "Gehst du noch zur Schule oder studierst du schon?", Krönchen, Bier, noch mehr Bier, feministische Seilschaften, fussend auf einem Fundament von Grasovka, 27, Blondie, Demos gegen Stuttgart 21, Atomkraft und sowieso und überhaupt. Und Menschen, neue und alte. Postkarten aus der ganzen Welt. 4 Meter hohe Decken. Musik. Southside. Editors, Gisbert, Slut. Karlsruhe, Freiburg, Wiesbaden, Mainz, Bonn. Das erste Weihnachtsgeld meines Lebens. Die ersten Stiefel meines Lebens. Was fürs Herz. Mit dem Bruder durch den Schnee toben. Kettcar, Bodi Bill. Plätzchen. Fussball-WM-Endspiel projiziert an die Wand des eigenen Zimmer anschauen. Denkwürdige Parties. Twitter. Facebook. Bezugsgruppen. Wombat. Wenig Schlaf. Viel Spaß, viel Chaos. Aber in all dem Durcheinander gibt es Menschen, die schenken dir Bier, oder ein Lied oder Momente. Das mag der habicht.
Und 2011?
Der erste Urlaub seit 5 Jahren (hoffentlich). Mehr weiss ich noch nicht. Aber es bleibt sicher spannend.
Stuttgart 21: Übertragung der Schlichtungsgespräche. Ja oder Nein?
So. Nun gibt es also Schlichtungsgespräche.
Diese finden ab Freitag statt und werden live vom SWR übertragen, was an sich ja schon ein Novum ist. Normalerweise finden solche Gespräche unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und wichtig dreinschauende Menschen treten nach Stunden vor die Fernsehkameras und sprechen vorbereitete Statements in Kameras und Schreibblöcke. Dies wird im Falle Stuttgart 21 definitiv anders sein.
Im Stuttgarter Rathaus wird es wohl ein Public Viewing geben, jeder kann sich also seine eigene Meinung bilden. Oder etwa doch nicht?
Schon regt sich Widerstand. Sowohl auf twitter als auch im Forum der Parkschützer wird kritisiert, dass der "unabhängige Fernsehsender" fluegel.tv von der Übertragung ausgeschlossen wurde.
Fakt ist: Der SWR ist ein öffentlich-rechtlicher Sender. Im Verwaltungsrat sitzen unter anderem Mitglieder des Landtages von Baden-Württemberg. Aber reicht das aus, um dem SWR Befangenheit, ungenaue Berichterstattung oder sogar Manipulation zu unterstellen? Ist das jetzt das Ende der Pressefreiheit, wie zum Beispiel hier vermutet?
Werdet ihr euch die Übertragung aus dem Schlichtungssaal tatsächlich ansehen? Und wenn ja, warum? Bzw. warum nicht?
So ist das.
Es gibt gut. Es gibt böse. Und es gibt das Leben. Und das spielt sich irgendwo dazwischen ab.
Der Coolness-Faktor von Bewegungen
So. Ein paar Tage sind nach dem letzten Posting ins Land gegangen. Und man hat viel gelesen, gehört und gesehen bezüglich der Ereignisse. Dank der Geschehnisse vom Donnerstag gibt es wohl mittlerweile kaum noch jemanden in Deutschland, der noch nicht von Stuttgart 21 gehört hat.
Wie immer bei so einem mittlerweile doch recht emotional gewordenen Thema, gibt es viele verschiedene Meinungen und Äußerungen. Presse und manche Menschen fangen an, diese noch junge Bewegung ernsthaft mit der Deutschen Einheit vergleichen zu wollen. Da habe nicht nur ich ein ziemlich komisches Gefühl. Ich finde, der Vergleich hinkt. Und blos, weil gewisse Fernsehsender den Zusammenhang zwischen dem heutigen Tag der Einheit und den Ereignissen in Stuttgart herstellen, heißt das nicht, dass man sich zu ähnlichen Äußerungen hinreissen lassen muss. Was mit dem Protest und der Bewegung rund um Stuttgart 21 geschiet, dass wird wie immer die Zeit zeigen.
Die Debatte läuft, wie mir scheint, gerade auch auf twitter, bisweilen etwas aus dem Ruder. Und das liegt meiner Meinung daran, dass die einen nicht nachvollziehen können, was die anderen denken. Mspro mag so abgeklärt sein, dass er schon auf 100 Demos Polizeigewalt, Wasserwerfer und ähnliches gesehen hat, viele andere Menschen sind dies aber nicht. Man mag sie mit Fug und Recht naiv nennen, diese Menschen, die gerade zum ersten Mal in ihrem bürgerlichen Leben feststellen müssen, dass der Rechtsstaat vielleicht doch nicht immer so gerecht ist, wie sie bisher gerne glauben wollten.
Was genau ist daran jetzt schlimm? Ist das nicht eigentlich genau das, was die (ich nenn sie jetzt mal so) kritische, linke, intellektuelle Elite (meinetwegen könnt ihr euch da allle angesprochen fühlen) seit Jahren fordert? Das "der Bürger" aufwacht und anfängt, den Status Quo in Frage zu stellen? Natürlich kann man es sich auch einfach machen und die Leute hysterisch nennen. Ich denke, das sind sie auch. Sie kennen das halt nicht, dass man mit einem Wasserwerfer aus 3 m Entfernung auf ihre Mütter, ihre Kinder und sie selbst zielt...Da kann man schon mal hysterisch werden.
Ich war übrigens auch dabei am Donnerstag. Und ich war schon auf einigen Demos. Und trotzdem hatte ich Angst. Und trotzdem war ich schockiert. Auch wenn ich es furchtbar albern finde, wenn einem via twitter überschwänglich dafür gedankt wird, "dass man da vor Ort ist und für Freiheit und Gerechtigkeit kämpft". Wer sowas glaubt, der glaubt sicher auch an den Weihnachtsmann...Aber, hey, irgendwas ist halt auch immer. Und genauso wenig, wie es den perfekten Menschen oder das perfekte Smartphone oder die perfekte Beziehung gibt, genauso wenig gibt es die perfekte Protestbewegung. Aber muss man auf einmal aus Prinzip für etwas (in dem Falle PRO Stuttgart 21 bzw gegen den Protest) sein, blos weil die uncoolen Leute dagegen sind? Kann man machen, wär aber ziemlich doof.
Ich persönlich bin da ganz bei Lantzschi, denn spätestens seit den Reaktionen der Bundes- und der Landesregierung auf die Ereignisse vom Donnerstag, geht es mir "nicht mehr um einen schwachsinnigen Bahnhof." Sondern um unsere Probleme.
Was ich nun hoffe: Das auch nachdem die Medien das Ganze ausgeschlachtet haben und irgendwann wieder ein Stück Normalität eingekehrt ist in den Stuttgarter Kessel, dass sich ein kleines Bißchen im Denken der Menschen verändert hat, in ihrer Obrigkeitshörigkeit, ihrem Spießertum, ihrem Wegsehen, ihrem Desinteresse, ihrer Politikverdrossenheit, ihrer politischen Korrektheit, ihrer Langeweile. Und das sich dann irgendwann ganz vielleicht, auch die Art und Weise ändert, wie hier in diesem Land Politik gemacht wird. Das ist sicher furchtbar naiv.






