JUST ANOTHER FEMALE BLOGGER Ein Versuch.

25Jan/120

Respekt.

Es gibt naturgemäß nicht vieles, vor dem ich Respekt habe. Aber vor Menschen, die vernünftig mit der deutschen Sprache umgehen können, vor Menschen, die es schaffen, Lieder zu schreiben, die nicht schlimm und peinlich und nach Fremdscham klingen, vor denen habe ich großen Respekt. Wahrscheinlich, weil ich selbst schon zig Mal versucht habe, irgendetwas zu schreiben, was ansatzweise literarisch ist, aber jedes Mal nach zwei Sätzen wieder abbrechen musste, so wenig konnte ich meinen eigenen Ansprüchen genügen.

Deshalb gibt es kaum etwas, was mich so sehr begeistert, wie ein gut geschriebenes Buch, ein blogtext, der etwas in mir auslöst oder ein ebensolcher Liedtext. So, wie dieser hier:

22Dez/110

times are changing – Jahresrueckblick, Teil eins.

Dieses Jahr neu und gut: So einiges.

Zum Beispiel zum ersten Mal seit Jahren wieder richtig Urlaub gemacht. Zwei Wochen ohne Internet zugebracht und nichts vermisst.

Nach langer Suche eine neue Wohnung gefunden, umgezogen. Zum ersten Mal ein Möbelstück gekauft, welches schwerer ist als seine Besitzerin. Angekommen.

Eine Wahl gewonnen. Vollkommen unerwartet. Plötzlich auf den Titelseiten der Zeitungen und Onlineportale gelandet und auf der Straße erkannt worden.

Den Job gewechselt. Nach anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten in diesem tatsächlich angekommen. Das erste Mal "so richtig" Geld verdienen. Mama und Papa anrufen und ihnen sagen können, dass sie die regelmäßigen Unterstützungsüberweisungen einstellen können.

Immer öfter neben dir eingeschlafen und wieder aufgewacht. Positiv überrascht davon und von anderem.

Ein neues Tattoo. Das Erste. Lange daran rumgedacht, schlussendlich getraut und nicht bereut.

Ein neues Studium. Zum ersten Mal Finanzierungsanträge geschrieben, mit Formularen rumgeschlagen, erfolgreich gewesen.

Zum ersten Mal Paris, Straßburg, Göteborg.

Das erste Amt bei den Grünen. Ganz frisch noch. Mal sehen, wie es wird.

Viele Hochzeiten, Geburten, Schwangerschaften im Freudeskreis. Das Gefühl, erwachsen zu werden. Und dann Nächte durchtanzen, betrunken durch die Straßen laufen, für 18 gehalten werden und das Gefühl, niemals erwachsen zu werden.

Lernen, Geld auszugeben. Für gutes Essen. Für guten Alkohol. Für Reisen. Möbel. Für Dinge. Den Luxus, Freunde einfach einladen zu können.

Neue Menschen kennengelernt, Freunde gemacht, gemeinsam getrunken, diskutiert, geweint.

(Fast) perfekten Geburtstag gehabt.

Lied des Jahres:

29Sep/112

Heute vor einem Jahr

...stand ich fassungslos im Stuttgarter Schlossgarten und haute mit den letzten Resten meines Akkus tweets in meine timeline. tweets, die mir, wenn ich sie heute durchlese, immernoch einen Schauer über den Rücken jagen.
Vor meinem Auge tauchen dann Bilder von Wasserwerfern auf, ich höre schreiende Menschen, ich sehe mich selber, wie ich von aufmarschierenden Polizisten zur Seite gestoßen werde. Und, ich rieche die tränengasgeschwängerte Luft. Die Szenerie im Stuttgarter Schlossgarten war seltsam unwirklich, skuril und unfassbar. Da zielten Polizisten aus nächster Nähe auf Demonstranten - aber schon 500 Meter weiter weg war davon nichts mehr zu hören oder zu sehen.

Als Mitarbeiterin der Grünen Landtagsfraktion war ich von Anfang an vor Ort. Ich sah, wie eine eigentlich friedliche und fast freundliche Szenerie innerhalb einer halben Stunde umschlug, wie Polizisten plötzlich ihre Helme aufsetzen und wie Landtagsabgeordnete sich trotz ihres Ausweises nicht mehr frei bewegen durften. Das Ganze war geprägt von einer totalen Überforderung der Einsatzkräfte - so kam es mir jedenfalls vor.

Und ich weiß noch, wie ich abends halb durchnässt und total aufgewühlt nach Hause kam und den Fehler machte, mir in der mediathek der ARD ein Interview mit dem damaligen Innenminister anzusehen, der eiskalt eben diese Tatsachen leugnete, die ich mit eigenen Augen gesehen hatte. Ich hatte vorher schon nicht viel Vertrauen in Irgendwas, aber das hat selbst mich nachhaltig schockiert.

Und wenn ich mich heute daran zurück erinnere, dann bin ich umso mehr der Meinung, dass die alte Regierung aus CDU und FDP in Baden-Württemberg absolut zurecht abgewählt wurde. Und ja, es ist wahr, dieses "Regieren" mag nicht einfach sein und auch die Grünen (und die SPD) machen ihre Fehler und Politik ist sowieso schlecht und unsere Gesellschaft eh ein Deppenhaufen - aber das, was heute vor einem Jahr (übrigens an einem ähnlich schönen Spätsommertag wie heute) im Schlossgarten (und im Nachhall dazu) abgelaufen ist, hat völlig zurecht einen Prozess in Gang gesetzt, der letztlich zur Abwahl geführt hat. So etwas hätte einfach nicht passieren dürfen. (Auf der anderen Seite ist es auch spannend zu sehen, wie schnell eine Situation außer Kontrolle geraten kann, Stichwort "Kontrollverlust" und so, aber das nur am Rande.)

Ich werde jedenfalls morgen in den Schlossgarten gehen und mich an diesen komischen Tag erinnern.

Wo ich hier so dumm rumsitze und an die Geschehnisse von vor einem Jahr denke, wird mir auch erst bewusst, was für mich persönlich in diesem Jahr alles passiert ist. Bewegte Zeiten.

In diesem Sinne:

26Sep/110

Im Westen nix Neues.

Immer diese Müdigkeit. Zu wenig Schlafen, zu früh aufstehen, zu viel Bier, zu wenig Bier, zu viel essen, zu wenig essen, zu wenig aufräumen - im Leben und in der Wohnung, zu wenig Zeit, zu viel Selbstmitleid, zu viel Gejammer, zu viel Pessimismus, zu viel Optimismus, zu viel Leben, zu wenig Leben. Und immer diese Wiederholungen.

Kein Wunder, dass hier gerade so wenig Neues veröffentlich wird.

17Jul/110

Kleinode

Darf man sich eigentlich als aha-fan outen?

Man muss. Und man muss dazu diese großartige Coverversion von "Crying in the rain" hören.

Man sollte generell öfter Dirk von Lowtzow zuhören.

10Jul/112

Es faengt alles von vorne an.

....wobei die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt stirbt.

8Jun/110

Fazit politcamp 2011

So.
Nachdem ich es ja schon auf twitter ankündigte, hier nun mein - wie üblich - gnadenlos subjektives Fazit zum PolitCamp2011:

Ich trat dort zwei Mal auf größerer Bühne in Erscheinung. Einmal, wie angekündigt, auf größerer Bühne am Samstag Vormittag beim Kollegen Cem Basman, und einmal, ganz spontan, auf einem Panel gemeinsam mit @kbojens, seineszeichens bei den Freunden von der SPD aktiv. Während letztere Session bei mir sehr positiv in Erinnerung bleiben wird - tolle Wortmeldungen und interessante Beiträge rund um das Thema "Wie bringt man netzpolitisches Klugscheissergelaber jetzt eigentlich in der politischen Realität der parlamentarischen Demokratie unter" -, so blicke ich auf die Session zum Thema "Demokratie, Soziale Medien und Generationenwechsel" mit ziemlich gemischten Gefühlen zurück.

Das hat weniger damit zu tun, dass der Moderator mich als "Eva Braun" vorstellte - eine Sache, die mir zwar noch nie passiert ist, über die ich aber relativ gelassen hinwegsehe, sondern vielmehr damit, dass ich in regelmäßigen Abständen feststellen muss, dass ich so gar keine Freude daran habe, mit sich selbst und die eigene Partei in den Himmel lobenen Politiker_innen diskutieren zu müssen. Wenn es nicht mehr möglich ist, eine kritische Frage zu stellen, ohne das das Gegenüber, in diesem Falle der "Herr Kollege" Müller-Sönksen, gleich beleidigt reagiert, dann steige ich mental schnell aus und kann das Gespräch an sich nicht mehr wirklich ernst nehmen. Ich debattiere und diskutiere gerne, das hat man während der Session sicher auch gemerkt, aber bei selbstkritiklosem Abgefeiere der eigenen Partei bin ich sehr schnell bei der Fundamentalopposition.

Soviel dazu.

Ganz grundsätzlich - das habe ich ja auch schon getwittert - fand ich die Vormittagssessions relativ langweilig, das Barcamp am Nachmittag war wesentlich spannender. Hier gab es auch mal Platz für einen Austausch über partipolitisches Gemackere hinaus.

Sehr gefreut hat es mich allerdings, einen ganzen Haufen Leute wiederzusehen oder kennenzulernen, mit denen ich nur über twitter kommuniziere. Die Klassentreffenerwartung wurde also durchaus erfüllt.

Ich komme wirklich gerne wieder zu einem nächsten politcamp, allerdings hoffe ich, dass dann auch ein paar mehr Menschen kommen, die nicht parteipolitisch unterwegs sind. Und wenn die Verpflegungsituation besser ist. Die Frauenquote beim diesjährigen PolitCamp war übrigens wirklich unterirdischst, vorallem bei den Vormittagspanels. So etwas geht gar nicht, liebes Orga-Team, schreibt euch das bitte hinter die Ohren.

Und zum Schluss möchte ich euch, ganz Selbstdarstellerin, zwei Artikel präsentieren, in denen ich zittiert werde (in einem hatte man mich in der ersten Version zur Landtagsabgeordneten gemacht, auch nett).

http://www.derwesten.de/incoming/Wie-Facebook-und-Co-die-Politik-veraendern-id4729309.html

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Politcamp-Social-Media-als-fuenfte-Gewalt-1255781.html

Und zudem möchte ich euch noch ein paar Fotos zeigen, die man unter cc-Lizenz auch weiterverwenden kann.

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Und wenn ich die Tage noch Lust verspüre, schreibe ich noch ein bisschen ausführlicher zu Inhalten, Eindrücken und Meinungen - Vorlieben und Wünsche könnt ihr gerne als Kommentar posten.

19Mai/112

Der Vollstaendigkeit halber

Mir ist aufgefallen, dass ich die Aufzeichnung unseres re:publica-Vortrags über das #flittern noch gar nicht verlinkt habe.

Was für ein schweres Versäumnis.

http://www.youtube.com/watch?v=hoOXySBAVOE

20Apr/112

re:publica 2011 – So wars.

So.

Nachdem ich ja schon auf meine eigene Veranstaltung zurückblickte, nun also nach ein paar Tagen sacken lassen bzw. ausnüchtern der habichtsche Rückblick auf drei Tage re:publica. Eigentlich wollte ich was zu Menschen, die sich über die "Digitale Gesellschaft" aufregen und Menschen, die sich darüber aufregen, dass sich Menschen über die "Digitale Gesellschaft" aufregen und Menschen, die sich über Feminist_innen aufregen und Feminist_innen, die sich darüber aufregen, dass sich Menschen über Feminist_innen aufregen, schreiben, aber dazu wurde schon so vieles gesagt, dass ich keine Lust mehr verspüre, dazu auch noch etwas zu sagen.

Vieles wurde ja auch so schon gesagt. Es war ganz klar zu voll bzw. die kleinen Workshopräume in der Kalkscheune fassen einfach zu wenig Menschen. Und es macht keinen Spaß bei Regen und Wind 20 Minuten anzustehen, nur, um dann gesagt zu bekommen, dass der Raum zu voll ist. Aber nachdem die Veranstalter da schon signalisiert haben, dass sie reagieren werden, ok.

Dann WLAN. Hat bei mir meistens funktioniert. Was mich viel mehr genervt hat war die Unfähigkeit von O2, auf die erhöhte Netzauslastung zu reagieren. Mittwoch und Donnerstag konnte ich weder Telefonieren noch ins Internet gehen. NERV.

Nun aber zum inhaltlichen. Am besten gefallen hat mir wider Erwarten die Session zum Protest gegen Stuttgart 21. Alvar hatte 4 wirklich eloquente Redner geladen, die unterhaltsam, charmant und klug über den Protest gegen Stuttgart 21, die Schwaben im Allgemeinen und Besonderen und die Rolle von Social Media berichteten. Ich hätte nicht gedacht, dass man mir noch Sachen über die Bewegung erzählen kann, die ich noch nicht weiss, wurde aber eines besseren belehrt. (Und das schreibe ich jetzt nicht, weil einer der Panelisten zufällig mein Mitbewohner ist.) Daumen hoch also für diese Session.

Am meisten gelacht habe ich am Freitag zwischen 17 und 18 Uhr, während der "Ponyporno"-Session von @heiko, @fraeulein_tessa und @happyschnitzel, und dass, obwohl ich auf dem Boden sitzen musste, was mich immer an mein abgebrochenes Soziologiestudium erinnert und daher meine Laune zumeist rapide sinken lässt. Daumen hoch auch dafür.

Ansonsten war die re:publica für mich tatsächlich in erster Linie ein Klassentreffen. Wann habe ich als Nicht-Berlinerin schon mal die Gelegenheit dazu, die ganzen Nasen konzentriert an 3 Tagen auf einem Haufen erleben zu dürfen? Eben. Ich habe viele bereits bekannte und liebgewonnene Gesichter wiedergesehen und neue Menschen hinter ihren Twitter-Acounts kennengelernt. Das war (überwiegend) schön. Und deshalb sitze ich jetzt hier und vermiss euch.

veröffentlicht unter: Freunde, Meinung, Uncategorized, diverses 2 Kommentare
18Apr/115

Flittern. Ein erster Rueckblick.

Bevor ich später noch was zur re:publica im Allgemeinen und Besonderen schreiben werde, hier erstmal der Rückblick auf unser "Whats happening? Love." - Sessionvortragsdings, das @fraeulein_tessa, @lantzschi und ich ja am Donnerstag abend im Friedrichstadtpalast gehalten haben.

Ich finde, wir haben uns ziemlich gut geschlagen, gerade wenn man bedenkt, dass keine von uns schon mal einen Vortrag vergleichbaren Ausmaßes gehalten hat. Die Bühne ist zudem ungefähr riesig und die Atmosphäre ziemlich einschüchternd. Mal sehen, ob ich mich traue, die Aufzeichnung, die voraussichtlich in den nächsten Tagen online geht (und die ich dann natürlich auch verlinken werde), anzusehen. Aber was man mir bisher so gesagt hat, klingt ganz ok.

Vereinzelt kam die Anmerkung, dass man als "Nicht-twitterer" nicht so gut verstanden hat, worum es eigentlich geht. Wahrscheinlich gabs dann doch auch recht viele Insidersprüche, was mir beim Vorbereiten gar nicht so aufgefallen ist.

Sicher hätte man den Vortrag auch noch mit etwas mehr Inhalt füllen können, aber ich muss auch sagen, dass ich fest davon ausgegangen bin, dass sich mehr Menschen zu uns auf die Bühne trauen. Das nächste Mal würde ich wohl Leute bitten, im Notfall auf die Bühne zu kommen und etwas zu sagen.

Was mich unfassbar gefreut hat und immer noch freut, sind die tollen Artikel, die von DPA und ZdfOnline übers flittern geschrieben wurden. Ich gestehe, dass ich die gerade mehrmals täglich lese und dumm lächeln muss.

Bedanken möchte ich mich auch und gerade beim Saalpublikum, dass dafür gesorgt hat, dass ich mich zumindest  nach 10 Minuten ziemlich wohl gefühlt habe auf der Bühne. Und natürlich bei denen, die sich redenderweise zu uns auf die Bühne gesetzt haben. Über seine Gefühle zu reden ist ja immer ein besonderes Wagnis. (Schließlich ist "Liebe" ja das härteste Thema der republica gewesen...) Und es ist noch mutiger, dass auf einer Bühne mit diesen Ausmaßen zu tun.

Also: DANKE.

Hier die beiden Artikel, die ich oben bereits erwähnte:

ZDFheute: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/15/0,3672,8233359,00.html

ZEIT online (DPA-Artikel): http://www.zeit.de/news-042011/15/iptc-bdt-20110415-241-29848390xml

edit: Nadine hat DeutschlandRadio Wissen etwas zum Thema #flittern und über unsere Session erzählt

edit: Ganz vergessen habe ich die Glosse übers flittern, die am Samstag auf der Titelseite des Tagesspiegels war. http://twitpic.com/4lglpe (Das Bild habe ich von @heiko geklaut, ich hoffe, er sieht mir das nach)

Wenn jemand noch andere findet, gerne bescheid sagen oder in die Kommentare posten.

Außerdem ein paar Fotos:

Ich und mein Hahnenkamm in Aktion.

Ein Blick von hinten

Edit: Die Bilder hat übrigens Dirk Häger gemacht und man kann sie unter CC-Lizenz im re:publica-Ordner auf flickr herunterladen.

Und zu guter Letzt:

Wisst ihr, was das Schönste ist? Wann bekommt man schon mal die Chance, mit zwei großartigen Menschen eine Stunde lang auf einer großen Bühne über ein schönes Thema zu sprechen? Und wie oft kann man dabei wohl auch noch Grasovka trinken? Eben. hach.