JUST ANOTHER FEMALE BLOGGER Ein Versuch.

12Jan/127

Preisfrage.

Wen oder was strahlt Christian Wulff hier so herzerwärmend an?

a.) Er hat gerade eine Fernsehkamera erblickt

b.) In der Ecke befindet sich das Buffet

c.) In der Ecke befindet sich ein Spiegel

d.) Mir egal. Wie bekommt man so ein stoisches Lächeln aufs Gesicht und kann ich das auch haben?

e.) Hat Guido Westerwelle eine neue Brille?

Ich distanziere mich natürlich auf das schärfste von eventuellen satirischen Inhalten. (Und das Bild habe ich von www.sueddeutsche.de geguttenbergt)
20Dez/113

Schoener Scheitern

Als vor ein paar Wochen der alljährliche Bundespresseball begangen wurde, waren die Zeitungen voll von Bildern des Bundespräsidentenpaares Wulff. Man schrieb von innigen Küssen und Glanz und Glamour und kaum eine Zeitung kam ohne ein Bild des Paares aus.

Unser aller Lieblingslachnummer Guttenberg wurde vor seinem tiefen Fall von den Medien zur Lichtgestalt hochgeschrieben. Immer an seiner Seite, seine großäugige Frau. Die beiden bildeten eine perfekte Mediensymbiose. Er, der sich zum Macher stilisieren lies, sie, die rehäugige Kämpferin für die Rechte armer gequälter Kinderseelen.

Nun ist über Aufstieg und Fall der Guttenbergs, die Rolle der Medien im Allgemeinen und besonderen schon viel geschrieben worden – und Schlagzeilen über die Wulffs bestimmen dieser Tage die Titelseiten von Magazinen, Zeitungen und Onlinennewsportalen.

Letztendlich ähneln sich beide Fälle – hier wurden Politiker zu Idolen und besseren Menschen hochgeschrieben, überhöht und inszeniert. In beiden Fällen haben die betreffenden Personen selbst zu einem Gutteil dazu beigetragen.

Was ich mich bei dem ganzen moralinsauren Quatsch, den ich da so lesen muss, immer frage: Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass wir (also wir BürgerInnen und Bürger) solche Lichtgestalten brauchen? Ich persönlich finde ja nichts langweiliger (und ehrlich gesagt auch gruseliger) als perfekte Menschen. Menschen, die immer alles richtig zu machen scheinen, die von allen gemocht werden, die ständig nur Gutes tun und immer porentief rein sind. Wer kann so ein Bild schon auf Dauer aufrecht erhalten?

Sascha Lobo hat, ebenfalls vor ein paar Wochen, einen treffenden Artikel bei Spiegel Online veröffentlicht, in dem er einen anderen Umgang mit Fehlern postuliert. Fehler seien dazu da, ganz transparent korrigiert zu werden. Die Ereignisse rund um die Causa Wulff zeigen, dass die Gesellschaft offensichtlich (noch) nicht so weit ist, dieses einzusehen.

Wenn ich auf mein unfassbar langes, mittlerweile immerhin schon bahnbrechende 28 Jahre andauerndes Leben zurückblicke, muss ich gestehen: Ich habe Fehler gemacht. Viele. Einige waren schlimmer, andere nicht ganz so dramatisch. Ich bin meilenweit davon entfernt, ein perfekter Mensch zu sein. Ich bin das ein oder andere Mal an mir selbst, an anderen Menschen und am Leben gescheitert. Und das ist auch gut so. Man muss sich Fehler eingestehen können, um seinen Frieden mit ihnen zu machen. Das geht aber nur, wenn Fehler auch verziehen werden können. Wer Nachteile zu erwarten hat, der fängt an zu lügen und zu vertuschen und das kommt früher oder später eh raus. In Zeiten dieses Internets eher früher und immer schneller. Wohin das führen kann, sehen wir  ja gerade sehr schön am Fall Wulff.

Ich für meinen Teil wünsche mir mehr PolitikerInnen, die zu ihren Fehlern stehen können, weil es ok ist, welche zu machen. Irgendwann. Und wenn nicht jede Verfehlung sofort als Schwäche ausgelegt werden würde, wären wir schon einen großen Schritt weiter.

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13Okt/117

Ich fahre nach Paris.

Und zwar Mitte November.
Und zwar hierhin: EGP-Kongress.

Sprich, ich habe nicht viel bis gar keine Zeit.

Aber: Was sollte ich mir denn unbedingt ansehen? Was mitbringen? Was sein lassen? Ich sollte vielleicht dazu sagen, dass ich keinerlei Kenntnisse der französischen Sprache habe. (Na gut, ich kann mittlerweile ein belegtes Brötchen bestellen und zum fluchen und Kaffee bestellen reicht es auch - Lebenswichtige Dinge halt.)

29Sep/112

Heute vor einem Jahr

...stand ich fassungslos im Stuttgarter Schlossgarten und haute mit den letzten Resten meines Akkus tweets in meine timeline. tweets, die mir, wenn ich sie heute durchlese, immernoch einen Schauer über den Rücken jagen.
Vor meinem Auge tauchen dann Bilder von Wasserwerfern auf, ich höre schreiende Menschen, ich sehe mich selber, wie ich von aufmarschierenden Polizisten zur Seite gestoßen werde. Und, ich rieche die tränengasgeschwängerte Luft. Die Szenerie im Stuttgarter Schlossgarten war seltsam unwirklich, skuril und unfassbar. Da zielten Polizisten aus nächster Nähe auf Demonstranten - aber schon 500 Meter weiter weg war davon nichts mehr zu hören oder zu sehen.

Als Mitarbeiterin der Grünen Landtagsfraktion war ich von Anfang an vor Ort. Ich sah, wie eine eigentlich friedliche und fast freundliche Szenerie innerhalb einer halben Stunde umschlug, wie Polizisten plötzlich ihre Helme aufsetzen und wie Landtagsabgeordnete sich trotz ihres Ausweises nicht mehr frei bewegen durften. Das Ganze war geprägt von einer totalen Überforderung der Einsatzkräfte - so kam es mir jedenfalls vor.

Und ich weiß noch, wie ich abends halb durchnässt und total aufgewühlt nach Hause kam und den Fehler machte, mir in der mediathek der ARD ein Interview mit dem damaligen Innenminister anzusehen, der eiskalt eben diese Tatsachen leugnete, die ich mit eigenen Augen gesehen hatte. Ich hatte vorher schon nicht viel Vertrauen in Irgendwas, aber das hat selbst mich nachhaltig schockiert.

Und wenn ich mich heute daran zurück erinnere, dann bin ich umso mehr der Meinung, dass die alte Regierung aus CDU und FDP in Baden-Württemberg absolut zurecht abgewählt wurde. Und ja, es ist wahr, dieses "Regieren" mag nicht einfach sein und auch die Grünen (und die SPD) machen ihre Fehler und Politik ist sowieso schlecht und unsere Gesellschaft eh ein Deppenhaufen - aber das, was heute vor einem Jahr (übrigens an einem ähnlich schönen Spätsommertag wie heute) im Schlossgarten (und im Nachhall dazu) abgelaufen ist, hat völlig zurecht einen Prozess in Gang gesetzt, der letztlich zur Abwahl geführt hat. So etwas hätte einfach nicht passieren dürfen. (Auf der anderen Seite ist es auch spannend zu sehen, wie schnell eine Situation außer Kontrolle geraten kann, Stichwort "Kontrollverlust" und so, aber das nur am Rande.)

Ich werde jedenfalls morgen in den Schlossgarten gehen und mich an diesen komischen Tag erinnern.

Wo ich hier so dumm rumsitze und an die Geschehnisse von vor einem Jahr denke, wird mir auch erst bewusst, was für mich persönlich in diesem Jahr alles passiert ist. Bewegte Zeiten.

In diesem Sinne:

11Jul/112

Bratwurst und Politik

Heute hat David McAllister, seineszeichens Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, sich mit markigen Worten zitieren lassen.

So sagt er im Interview mit dem Tagesspiegel unter anderem:

"Das schnelle Internet birgt eben viele Chancen und ebenso Risiken. Es ist doch verständlich, dass viele Eltern die neuen Entwicklungen im Web, zum Beispiel Facebook, mit Sorge beobachten. Nicht alles, was in sozialen Netzwerken passiert, ist auf Anhieb nachvollziehbar. Jeder teilt jedem mit, was er gerade macht, denkt und fühlt. Das ist ein neues Phänomen. Es fällt mir manchmal schwer, den persönlichen oder gesellschaftlichen Mehrwert zu erkennen."

Da haben wir sie wieder, die in Deutschland ach so beliebten Risiken. Ich meine, ich sehe ja ein, dass es Dinge gibt, die zweifelsohne riskant sind, der Versuch, blind und in der Rushhour eine Autobahn zu überqueren zum Beispiel, aber was am schnellen Internet so risikoreich sein soll, hat sich mir noch nie erschlossen. Aber vielleicht kann Herr McAllister mir das ja mal erklären.

Er sagt nämlich auch: "In den acht Jahren, in denen ich Mitglied im Koalitionsausschuss von CDU und FDP in Hannover bin, ist kein einziges Mal ein Detail an die Öffentlichkeit gedrungen. Das ist in Berlin-Mitte offenkundig sehr schwierig. Mit dieser Einschätzung stehe ich nicht allein."

Da liegt dann auch der Hund im Pfeffer und der Hase in der Pfanne: Politik war lange Zeit eine Art Geheimveranstaltung weißer, mittleralter Männer, die die Geschicke des Landes weise und immer korrekt ausgestaltet haben. Nachdem in den letzten Jahren schon Frauen, jüngere Menschen und andere Randgruppen mit zunehmendem Erfolg ein Stück vom Mitbestimmungskuchen eingefordert haben, soll Politik jetzt auch noch transparent werden? Das geht doch nicht, findet Herr Mc Allister.

Herr McAllister kann daher auch völlig zurecht Kollegen zurückweisen, die "uninteressante Sachen" an die Öffentlichkeit geben. Denn Herr McAllister weiß nämlich, was das gemeine Internetvolk lesen will und was nicht.
Ein Blick auf seine Twitterpage spricht da Bände. Und Bratwürste, das weiß Herr McAllister ganz genau, gehören nicht dazu.

Da passt nur gut ins Bild, dass die Stuttgarter Zeitung heute etwas zur Social-Media-Aktivität der neuen Landesregierung von Baden-Württemberg schreibt.
Hier wird kritisch angemerkt, dass Alexander Bonde, Minister für den Ländlichen Raum, "selbst offizielles" über seinen Twitterkanal verbreite. das die Stuttgarter Zeitung so ein Verhalten kritisiert, ist natürlich überaus verständlich. Es kann doch nicht sein, dass ein Minister seine Follower direkt informiert, ohne den herkömmlichen Weg über Pressemitteilungen und Redaktionsgespräch bei der Stuttgarter Zeitung zu gehen. Nachher sind die Menschen dank dieses schnellen Internets sogar früher informiert als der Lokaljournalist. Und nachher kommuniziert der Minister auf diese Art und Weise direkt mit seinen WählerInnen. Und so etwas, das haben wir ja von David McAllister gelernt, ist höchst bedenklich und birgt Risiken. Und das kann doch niemand wollen, oder doch?

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26Jun/112

Was ich von der Sonder-BDK der Gruenen mitgenommen habe.

Und ihr so?

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8Jun/110

Fazit politcamp 2011

So.
Nachdem ich es ja schon auf twitter ankündigte, hier nun mein - wie üblich - gnadenlos subjektives Fazit zum PolitCamp2011:

Ich trat dort zwei Mal auf größerer Bühne in Erscheinung. Einmal, wie angekündigt, auf größerer Bühne am Samstag Vormittag beim Kollegen Cem Basman, und einmal, ganz spontan, auf einem Panel gemeinsam mit @kbojens, seineszeichens bei den Freunden von der SPD aktiv. Während letztere Session bei mir sehr positiv in Erinnerung bleiben wird - tolle Wortmeldungen und interessante Beiträge rund um das Thema "Wie bringt man netzpolitisches Klugscheissergelaber jetzt eigentlich in der politischen Realität der parlamentarischen Demokratie unter" -, so blicke ich auf die Session zum Thema "Demokratie, Soziale Medien und Generationenwechsel" mit ziemlich gemischten Gefühlen zurück.

Das hat weniger damit zu tun, dass der Moderator mich als "Eva Braun" vorstellte - eine Sache, die mir zwar noch nie passiert ist, über die ich aber relativ gelassen hinwegsehe, sondern vielmehr damit, dass ich in regelmäßigen Abständen feststellen muss, dass ich so gar keine Freude daran habe, mit sich selbst und die eigene Partei in den Himmel lobenen Politiker_innen diskutieren zu müssen. Wenn es nicht mehr möglich ist, eine kritische Frage zu stellen, ohne das das Gegenüber, in diesem Falle der "Herr Kollege" Müller-Sönksen, gleich beleidigt reagiert, dann steige ich mental schnell aus und kann das Gespräch an sich nicht mehr wirklich ernst nehmen. Ich debattiere und diskutiere gerne, das hat man während der Session sicher auch gemerkt, aber bei selbstkritiklosem Abgefeiere der eigenen Partei bin ich sehr schnell bei der Fundamentalopposition.

Soviel dazu.

Ganz grundsätzlich - das habe ich ja auch schon getwittert - fand ich die Vormittagssessions relativ langweilig, das Barcamp am Nachmittag war wesentlich spannender. Hier gab es auch mal Platz für einen Austausch über partipolitisches Gemackere hinaus.

Sehr gefreut hat es mich allerdings, einen ganzen Haufen Leute wiederzusehen oder kennenzulernen, mit denen ich nur über twitter kommuniziere. Die Klassentreffenerwartung wurde also durchaus erfüllt.

Ich komme wirklich gerne wieder zu einem nächsten politcamp, allerdings hoffe ich, dass dann auch ein paar mehr Menschen kommen, die nicht parteipolitisch unterwegs sind. Und wenn die Verpflegungsituation besser ist. Die Frauenquote beim diesjährigen PolitCamp war übrigens wirklich unterirdischst, vorallem bei den Vormittagspanels. So etwas geht gar nicht, liebes Orga-Team, schreibt euch das bitte hinter die Ohren.

Und zum Schluss möchte ich euch, ganz Selbstdarstellerin, zwei Artikel präsentieren, in denen ich zittiert werde (in einem hatte man mich in der ersten Version zur Landtagsabgeordneten gemacht, auch nett).

http://www.derwesten.de/incoming/Wie-Facebook-und-Co-die-Politik-veraendern-id4729309.html

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Politcamp-Social-Media-als-fuenfte-Gewalt-1255781.html

Und zudem möchte ich euch noch ein paar Fotos zeigen, die man unter cc-Lizenz auch weiterverwenden kann.

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Und wenn ich die Tage noch Lust verspüre, schreibe ich noch ein bisschen ausführlicher zu Inhalten, Eindrücken und Meinungen - Vorlieben und Wünsche könnt ihr gerne als Kommentar posten.

30Mai/110

Politcamp 2011

Am Wochenende findet mal wieder das politcamp statt, diesmal im schönen Bonn. Im ehemaligen Bundestag und der Deutschen Welle wird über Netzpolitik und politische Kommunikation im Web diskutiert und ich bin dabei. *freu

Zum einen hoffentlich mit einer Barcamp-Session in bewährter Komibination, nämlich mit Teresa Bücker - zumindest ist das der Plan, mal sehen, ob wir es trotz all der Zeitnot noch hinbekommen, einen ansprechenden Vorschlag vorzubereiten (man darf gespannt sein), zum anderen ganz spontan und kurzfristig bei einer Session, die sich Cem Basman ausgedacht hat. Am Samstag um 12 Uhr diskutiere ich also mit

  • Burkhardt Müller-Sönksen, medienpolitischer Sprecher der FDP Bundestagsfraktion
  • Ralph Makolla, Stellv. Kreisvorsitzender CDU Oldenburg / PolitCamp.org
  • Hansjörg Schmidt, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft / PolitCamp.org
  • über "Demokratie, Soziale Medien und Generationenwechsel". Da ich erst heute mittag gefragt wurde, ob ich mich dazugesellen will, habe ich auch noch keine Ahnung, was ich da von mir geben werde, aber bis Samstag wird mir schon noch was ansprechendes einfallen. Zumal bei dem Thema.

    Wir sehen uns in Bonn!

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    4Mai/112

    Ueber Redaktionen, Neutraliaet und Quoten: Der habicht trifft die Chefredaktion

    Am gestrigen Dienstag hatte ich die Gelegenheit, in ziemlich illustrer Runde über die Stuttgarter Zeitung im allgemeinen und besonderen zu diskutieren.

    Die Chefredaktion der Zeitung hatte insgesamt 7 LeserInnen an den Arsch der Heide nach Stuttgart-Möhringen geladen, um über die Ausrichtung der Stuttgarter Zeitung, den Artikelstil, den Unterschied zwischen Bericht und Kommentar und über tendenziöse Berichterstattung zu diskutieren. Ein Teil davon wurde über die Facebook-Gruppe der Zeitung ausgewählt, andere sind regelmäßige LeserbriefschreiberInnen und wiederum andere hatten Briefe geschrieben, die die Redaktion besonders beeindruckt hatten.

    So saßen wir dann also mit 3 Leserinnen, 4 Lesern und 4 Chefredakteuren in nicht gerade paritätisch besetzter Runde bei Fingerfood (lecker!) und Bier (toll!) beisammen und diskutierten über 2 Stunden lang. Die Atmosphäre würde ich als ziemlich entspannt bezeichnen, man konnte meistens ausreden und über den Mund gefahren wurde einem auch nicht.

    Relativ lange ging es um den Unterschied zwischen Bericht und Kommentar, um Neutralität, die meiner Meinung nach eh nur eine Illusion ist, schließlich sind wir ja alle nicht die Schweiz - auch Zeitungen nicht. Ich erwarte schon eine fundierte Berichterstattung, bei sowohl die Argumente der Pro- als auch der Contra-Seite genannt werden, aber 100 % Neutraliät? Nein danke.

    Spannend fand ich, dass von Seiten der Chefredaktion ziemlich ehrlich (ich hatte jedenfalls den Eindruck) über die Themenverteilung im Blatt geredet wurde. So erfuhr man, warum nur über die Stuttgarter Ostermärsche berichtet wurde, nicht aber über die, die in anderen Landesteilen stattgefunden hatten. Solche "Geschichten aus der Redaktion" bringen den Blattmacher-Alltag näher.

    Zu der Leserkonferenz gibt es auch einen Artikel in der Stuttgarter Zeitung, den ich hier natürlich auch verlinke.

    Was in dem Artikel nicht vorkommt, ich aber aus Gründen unbedingt noch erzählen muss: Gegen Ende der Konferenz stellte ich die Frage nach der Frauenquote in der Redaktion im Allgemeinen und der Chefredaktion im Besonderen. Auch hier bekam ich von den "weißen Männern, 45 plus", wie man sich selbst ganz selbstironisch bezeichnete, eine ehrliche Antwort: Man strebe schon seit längerem eine Erhöhung des Frauenanteils in der Führungsebene an, bisher allerdings ohne Erfolg. Man sei sich allerdings der Problematik bewusst, musste gleichzeitig aber auch zugeben, dass im Leitbild der Zeitung nichts in Sachen "Frauen" enthalten ist.

    Und auch wenn es euch nicht schmeckt, Jungs, weil 1653 Beteuerungen und guter Wille alleine einfach nichts bringen, genau deshalb brauchen wir die Quote. Wenn eine Leserin erzählt, dass es schon vor 20 Jahren die Bestrebung gab, mehr Frauen in die Leitungsebene der StZ zu bringen und man sieht, wieviel da bisher umgesetzt wurde, dann würde ich sagen: Es geht leider nur mit Zwang. Denn die Gruppe "männlich, weiß, über 45" wird immer dazu neigen, Nachwuchs heranzuziehen, der der gleichen Gruppe angehört. Und das ist nicht nur ungerecht sondern auch ziemlich langweilig. Und langweilig will man ja auch als Zeitung nicht sein, oder?

    2Apr/116

    Ueber das Leben im Allgemeinen und Besonderen.

    In Zeiten wie diesen, wo vieles so unfassbar heiß gekocht wird, dass man es bei bestem Willen nicht essen kann, erinnere ich mich gerne an die Lebensweisheit, die mir mein Vater immer gesagt hat:

    Was man über zwischenmenschliche Kommunikation lernen muss, lernt man in der Regel bereits im Kindergarten, danach kommen bestenfalls Feinheiten hinzu.

    Bei genauerem Nachdenken begreift man, dass dieser Spruch auf nahezu alle Situationen anwendbar ist. Wenn man ehrlich ist, geht es doch immer nur um die Frage, wer welches Förmchen bekommt und ob jemand am Ende heult oder ob alle zufrieden sind.

    In diesem Sinne, setzt euch hin und nehmt euch ein Stück Kuchen.

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