Provinz
Und dann ist Weihnachten und man findet sich im alten Jugendzimmer wieder. Man geht die alten Straßen entlang. Alles ist irgendwie wie immer. Und gleichzeitig doch ganz anders. Und spätestens am zweiten Tag will man wieder weg.
In the suburbs I, I learned to drive
People told me we would never survive
So grab your mother's keys we leave tonight
times are changing – Jahresrueckblick, Teil eins.
Dieses Jahr neu und gut: So einiges.
Zum Beispiel zum ersten Mal seit Jahren wieder richtig Urlaub gemacht. Zwei Wochen ohne Internet zugebracht und nichts vermisst.
Nach langer Suche eine neue Wohnung gefunden, umgezogen. Zum ersten Mal ein Möbelstück gekauft, welches schwerer ist als seine Besitzerin. Angekommen.
Eine Wahl gewonnen. Vollkommen unerwartet. Plötzlich auf den Titelseiten der Zeitungen und Onlineportale gelandet und auf der Straße erkannt worden.
Den Job gewechselt. Nach anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten in diesem tatsächlich angekommen. Das erste Mal "so richtig" Geld verdienen. Mama und Papa anrufen und ihnen sagen können, dass sie die regelmäßigen Unterstützungsüberweisungen einstellen können.
Immer öfter neben dir eingeschlafen und wieder aufgewacht. Positiv überrascht davon und von anderem.
Ein neues Tattoo. Das Erste. Lange daran rumgedacht, schlussendlich getraut und nicht bereut.
Ein neues Studium. Zum ersten Mal Finanzierungsanträge geschrieben, mit Formularen rumgeschlagen, erfolgreich gewesen.
Zum ersten Mal Paris, Straßburg, Göteborg.
Das erste Amt bei den Grünen. Ganz frisch noch. Mal sehen, wie es wird.
Viele Hochzeiten, Geburten, Schwangerschaften im Freudeskreis. Das Gefühl, erwachsen zu werden. Und dann Nächte durchtanzen, betrunken durch die Straßen laufen, für 18 gehalten werden und das Gefühl, niemals erwachsen zu werden.
Lernen, Geld auszugeben. Für gutes Essen. Für guten Alkohol. Für Reisen. Möbel. Für Dinge. Den Luxus, Freunde einfach einladen zu können.
Neue Menschen kennengelernt, Freunde gemacht, gemeinsam getrunken, diskutiert, geweint.
(Fast) perfekten Geburtstag gehabt.
Lied des Jahres:
Kurz innehalten, laecheln, weitermachen.
Yo.
Wahl ist vorbei, jetzt fängt die Arbeit an.
Das Foto da hat die Stuttgarter Zeitung gestern am Rande der Montagsdemo GEGEN S21 von mir gemacht und es zeigt ganz gut meinen derzeitigen Gemütszustand.
Listen Listen Listen – reloaded
Zur Feier des letzten Tags in diesem Jahr (und weil ich seit einer Woche bei meinen Eltern bin und langsam aber sicher vor Langeweile vergammele), reaktiviere ich hiermit dieses blog und präsentiere den ultimativen Jahresrückblick 2010 aus dem Hause habicht. Wie immer gnadenlos subjektiv und ohne Anspruch auf irgendwas.
Fangen wir mit dem Wichtigsten an. Musik. Was auch sonst.
Album des Jahres:
The National. High Violet. Keine Diskussion.
Lied des Jahres:
Mit dieser Kategorie habe ich immer meine Probleme. Meistens verliebe ich mich ja in Lieder, weil sie in den Kontext passen und nicht, weil sie gerade neu sind.
Hier also ein Kompromiss, mit dem ich mich anfreunden kann.
Robyn. Dancing on my own. lalalala.
skurilster/schlimmster/heftigster Moment 2010:
Ganz klar der so genannte "Schwarze Donnerstag" am 30.09.2010. Die Landesregierung (oder wer auch immer) lässt die Polizei mit schwerem Gerät, Wasserwerfern und Tränengas den Schlossgarten in Stuttgart freikärchern. Und der habicht mittendrin. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, an dem ich rauchend mit einem Kollegen im Park stand und wir beide feststellten, die Stimmung seitens der Polizei sei irgendwie umgeschlagen. Und ich sagte noch "Irgendwie will ich hier gerade weg. Ich bekomme Angst. Und das mag ich gar nicht". Geschrieben habe ich darüber hier.
Bester Moment 2010:
Noch so eine Kategorie, die mir schwer fällt. Irgendwie, und das ist ja recht erfreulich, gab es 2010 ein paar Momente, die Siegespotential haben.
Nach mäßig langem Grübeln habe ich mich für meine Geburtstagsparty entschieden. Denn, hey, viele Herzensmenschen waren da und ich trug ein Krönchen.
Und sonst so? Das hier:
Winter (viel und viel zu lang), Absagen, Vorstellungsgespräche und Warten auf eine Zusage. ZUSAGE! Dazwischen Berlin, Stuttgart, viele Stunden im Zug, republica, Bundestag, Politcamp, Umzug, Eingewöhnung, Altherrenwitze, die Grüne Zelle, Netzpolitischer Kongress, Netzpolitische Soiree, "Gehst du noch zur Schule oder studierst du schon?", Krönchen, Bier, noch mehr Bier, feministische Seilschaften, fussend auf einem Fundament von Grasovka, 27, Blondie, Demos gegen Stuttgart 21, Atomkraft und sowieso und überhaupt. Und Menschen, neue und alte. Postkarten aus der ganzen Welt. 4 Meter hohe Decken. Musik. Southside. Editors, Gisbert, Slut. Karlsruhe, Freiburg, Wiesbaden, Mainz, Bonn. Das erste Weihnachtsgeld meines Lebens. Die ersten Stiefel meines Lebens. Was fürs Herz. Mit dem Bruder durch den Schnee toben. Kettcar, Bodi Bill. Plätzchen. Fussball-WM-Endspiel projiziert an die Wand des eigenen Zimmer anschauen. Denkwürdige Parties. Twitter. Facebook. Bezugsgruppen. Wombat. Wenig Schlaf. Viel Spaß, viel Chaos. Aber in all dem Durcheinander gibt es Menschen, die schenken dir Bier, oder ein Lied oder Momente. Das mag der habicht.
Und 2011?
Der erste Urlaub seit 5 Jahren (hoffentlich). Mehr weiss ich noch nicht. Aber es bleibt sicher spannend.
Für mich solls heute acid regnen
natürlich nur im übertragenen Sinne. Schließlich würde ich niemals den Konsum irgendwelcher Drogen verherrlichen oder gar verharmlosen wollen. Liebe Kinder, Drogen schaden der Gesundheit und so. Das Lied mag ich trotzdem.
Bevor es hier zu monothematisch wird…
...ein Bild vom Wochenende.
(wie man unschwer erkennen kann, hatte ich meinen Spaß - trotz HERBST und trotz Regen)
Tomorrow in a Year
Am vergangenen Samstag war ich mit frl.krautwurst für ca 24 Stunden in Münster um mir die großartige Oper "tomorrow in a year" anzusehen. Die Musik hierzu stammt von einer meiner absoluten Lieblingsbands, the knife. Das Frollein hat einen Erfahrungsbericht dazu verfasst, den ich euch hiermit ans Herz legen möchte.
Für das Frollein war es zudem der erste Besuch in Münster. Perfektes Sommerwetter, die Krautwurst und ich. Soweit so gut. Vor dem Stadttheater Münster eine Ansammlung von Menschen, die einem der zahlreichen Modeblogs dieser Welt hätten entsprungen sein können. Kleine Mädchen, sorgsam aufgebrezelt und schwindsüchtig anmutende Jungs (ich kann sie einfach nicht Männer nennen) in skinny jeans und mit dem obligatorischen DJ-Bag.
Dann die "Oper". Die Handlung verstand ich auch nach mehrmaligem lesen der "Packungsbeilage" nicht wirklich. Ist aber auch egal. 1,5 Stunden intensives Erlebnis. Danach wieder in die Wirklichkeit zurück. Ein sommerlich erhelltes, schwül-warmes Münster, was nach 1,5 Stunden Dunkelheit unwirklich wirkt. Ein fettiges Abendessen (Döner macht schöner) und stundenlanges Parksitzen. Danach die Feststellung, eigentlich noch gar nicht schlafen gehen zu wollen. Also eine Stadtführung in der münsteraner Dunkelheit von 12 bis 2. Großartig.
Es gibt Kuchen.
...oder besser gesagt, es gab eine Torte. Selbstgebacken. Von mir.
Optisch sogar ganz gut gelungen, wenn man bedenkt, dass ich weder Schneebesen noch Pinsel zur Verfügung hatte. Und geschmeckt hat sie auch. Der Empfänger der Torte hat auf jeden Fall gleich 3 Stücke zum Frühstück verspeist.
Hier ein verwackeltes Bild (irgendwie ist die Kamera in meinem neuen Handy nicht so dolle wie die im alten...wahrscheinlich möchten sie gerne, dass man sich auch noch eine Digital-Kamera kauft *mutmaß*)
Und hier noch mal ein Bild mit Inhalt (gibts hier ja sowieso viel zu selten)
Und falls sich jetzt noch jemand für die genaue Zusammensetzung des Meisterwerkes interessiert: Der Boden ist ein durchteilter Biskuitt, die Füllung besteht aus einer gefreestylten Mischung aus geschlagener Sahne, Joghurt, Mandelspalten und Dosenobst, garniert ist das ganze mit einer Schicht aus Zartbitterkuvertüre-Sahne-Gemisch und bunten Zuckerstreuseln.
Netzwerktreffen 2010
Mein Wochenende verbrachte ich im Nirgendwo in der Nähe von Hannover, in Mitten von tief-verschneiter Landschaft, in einem Tagungshaus mit veganer Verköstigung, Musikzimmer und Eiszapfen an den Fenstern. Anlass für die Reise ins winterliche Wunderland war das alljährliche Treffen des Zukunftspilotennetzwerkes, auch besser bekannt als "die Illuminaten der Umweltbewegung", dem ich angehöre.
So wie jedes Jahr traf sich eine illustre Runde von Menschen zwischen 35 und 22 (grob geschätzt), um gemeinsam zu diskutieren, neue und aktuelle Projekte vorzustellen, spazieren zu gehen und zu feiern.
Neben vielen spannenden, bereichernden und manchmal auch arg anstrengenden Gesprächen ist mir vorallem der Spaziergang durch den Schnee in Erinnerung geblieben. Irgendwann stand ich tatsächlich mal bis zum Oberschenkel in einer Schneeverwehung. Sehr schön. Zumal sich die Horrorvorhersagen in Sachen Schneesturm nun merkwürdigerweise nicht bewahrheitet haben. Aber gut, hauptsache, mal ordentlich hysterisch gewesen....
Leider sind meine Fotos alle nicht so hübsch geworden. Irgendwie kann ich noch nicht so gut mit der neuen Handycamera umgehen. Ich hoffe jetzt einfach mal auf andere Zupis, die mehr Geschick mit der Camera haben.
Einige Fotos von Wiebke gibt es jedenfalls hier zu sehen. Weitere Fotolinks reiche ich dann gerne nach.
Wie man sieht, gab es für mich endlich die erste Schlittenfahrt des Winters...
Ansonsten ist hier grad nicht so viel los auf diesem Blog, was vorallem daran liegt, dass ich irgendwie gerade nicht weiß, worüber ich bloggen sollte bzw. das in meinem Leben zur Zeit recht wenig bloggenswertes passiert. Aber, wir sind ja Optimisten, das ändert sich bestimmt bald.
nachtrag.
normalerweise gibt es hier ja gerne mal fotos im kontext öffentlicher toiletten zu sehen. die kacheln im badezimmer der eltern kann ich trotzdem nicht vorenthalten....nebenbei sieht man auch mein weihnachtsoutfit...
da die fotos vor der Bescherung entstanden, sind sie logischerweise auch noch mit dem alten Handy geschossen. Sobald ich das Neue fertig konfiguriert und verstanden habe und nicht mehr ständig versehendlich Leute anrufe, benutze ich dann auch mal mein neues Lieblingsspielzeug...






