JUST ANOTHER FEMALE BLOGGER Ein Versuch.

25Jan/120

Respekt.

Es gibt naturgemäß nicht vieles, vor dem ich Respekt habe. Aber vor Menschen, die vernünftig mit der deutschen Sprache umgehen können, vor Menschen, die es schaffen, Lieder zu schreiben, die nicht schlimm und peinlich und nach Fremdscham klingen, vor denen habe ich großen Respekt. Wahrscheinlich, weil ich selbst schon zig Mal versucht habe, irgendetwas zu schreiben, was ansatzweise literarisch ist, aber jedes Mal nach zwei Sätzen wieder abbrechen musste, so wenig konnte ich meinen eigenen Ansprüchen genügen.

Deshalb gibt es kaum etwas, was mich so sehr begeistert, wie ein gut geschriebenes Buch, ein blogtext, der etwas in mir auslöst oder ein ebensolcher Liedtext. So, wie dieser hier:

12Jan/127

Preisfrage.

Wen oder was strahlt Christian Wulff hier so herzerwärmend an?

a.) Er hat gerade eine Fernsehkamera erblickt

b.) In der Ecke befindet sich das Buffet

c.) In der Ecke befindet sich ein Spiegel

d.) Mir egal. Wie bekommt man so ein stoisches Lächeln aufs Gesicht und kann ich das auch haben?

e.) Hat Guido Westerwelle eine neue Brille?

Ich distanziere mich natürlich auf das schärfste von eventuellen satirischen Inhalten. (Und das Bild habe ich von www.sueddeutsche.de geguttenbergt)
9Jan/122

Mehr Meer.

Gibt es etwas Schöneres als die Nordseeküste bei ordentlich Wind und Sonnenschein?

Die Antwort lautet: Nein.

20Dez/113

Schoener Scheitern

Als vor ein paar Wochen der alljährliche Bundespresseball begangen wurde, waren die Zeitungen voll von Bildern des Bundespräsidentenpaares Wulff. Man schrieb von innigen Küssen und Glanz und Glamour und kaum eine Zeitung kam ohne ein Bild des Paares aus.

Unser aller Lieblingslachnummer Guttenberg wurde vor seinem tiefen Fall von den Medien zur Lichtgestalt hochgeschrieben. Immer an seiner Seite, seine großäugige Frau. Die beiden bildeten eine perfekte Mediensymbiose. Er, der sich zum Macher stilisieren lies, sie, die rehäugige Kämpferin für die Rechte armer gequälter Kinderseelen.

Nun ist über Aufstieg und Fall der Guttenbergs, die Rolle der Medien im Allgemeinen und besonderen schon viel geschrieben worden – und Schlagzeilen über die Wulffs bestimmen dieser Tage die Titelseiten von Magazinen, Zeitungen und Onlinennewsportalen.

Letztendlich ähneln sich beide Fälle – hier wurden Politiker zu Idolen und besseren Menschen hochgeschrieben, überhöht und inszeniert. In beiden Fällen haben die betreffenden Personen selbst zu einem Gutteil dazu beigetragen.

Was ich mich bei dem ganzen moralinsauren Quatsch, den ich da so lesen muss, immer frage: Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass wir (also wir BürgerInnen und Bürger) solche Lichtgestalten brauchen? Ich persönlich finde ja nichts langweiliger (und ehrlich gesagt auch gruseliger) als perfekte Menschen. Menschen, die immer alles richtig zu machen scheinen, die von allen gemocht werden, die ständig nur Gutes tun und immer porentief rein sind. Wer kann so ein Bild schon auf Dauer aufrecht erhalten?

Sascha Lobo hat, ebenfalls vor ein paar Wochen, einen treffenden Artikel bei Spiegel Online veröffentlicht, in dem er einen anderen Umgang mit Fehlern postuliert. Fehler seien dazu da, ganz transparent korrigiert zu werden. Die Ereignisse rund um die Causa Wulff zeigen, dass die Gesellschaft offensichtlich (noch) nicht so weit ist, dieses einzusehen.

Wenn ich auf mein unfassbar langes, mittlerweile immerhin schon bahnbrechende 28 Jahre andauerndes Leben zurückblicke, muss ich gestehen: Ich habe Fehler gemacht. Viele. Einige waren schlimmer, andere nicht ganz so dramatisch. Ich bin meilenweit davon entfernt, ein perfekter Mensch zu sein. Ich bin das ein oder andere Mal an mir selbst, an anderen Menschen und am Leben gescheitert. Und das ist auch gut so. Man muss sich Fehler eingestehen können, um seinen Frieden mit ihnen zu machen. Das geht aber nur, wenn Fehler auch verziehen werden können. Wer Nachteile zu erwarten hat, der fängt an zu lügen und zu vertuschen und das kommt früher oder später eh raus. In Zeiten dieses Internets eher früher und immer schneller. Wohin das führen kann, sehen wir  ja gerade sehr schön am Fall Wulff.

Ich für meinen Teil wünsche mir mehr PolitikerInnen, die zu ihren Fehlern stehen können, weil es ok ist, welche zu machen. Irgendwann. Und wenn nicht jede Verfehlung sofort als Schwäche ausgelegt werden würde, wären wir schon einen großen Schritt weiter.

veröffentlicht unter: Arbeit, Meinung, Politik, diverses 3 Kommentare
21Okt/115

Wahrheiten ueber den habicht, Teil 2

Die Mission ist abgeschlossen. Aber sehen Sie selbst:


Oh. Und hier noch ein paar besonders schöne Details über den habicht, der, wie wir ja wissen, ein besonders fieses Tier ist.

"Der Habicht, ein einsamer, ungeselliger Raubvogel, welcher sich nur in der Paarungs- und Brutzeit mit seinem Gatten zusammenhält, ist ein höchst ungestümer, wilder, dreister, schneller, starker und dabei listiger und scheuer Falk."

"Sein ganzes Wesen ist das eines auf den rechten Augenblick lauernden Diebes, welcher ein von ihm wiederholt heimgesuchtes Gehöft beschleicht und sich auf seine List und Gewandtheit wie auf seine unvergleichliche Geistesgegenwart verläßt."

"Ist er hungrig oder durch längere Verfolgung hitzig, durch mehrfach vereitelte Angriffe vielleicht auch unmuthig geworden, so vergißt er jede Rücksicht [...]"

"Ein gefangener Habicht ist für uns ein ebenso hassenswerther Vogel wie der freilebende. Seine Wildheit und Bosheit, seine Unverträglichkeit und Mordgier machen ihn uns bald im höchsten Grade widerwärtig."

Quelle: Brehms Tierleben

(Ähnlichkeiten mit lebenden Menschen sind natürlich rein zufällig.)

13Okt/117

Ich fahre nach Paris.

Und zwar Mitte November.
Und zwar hierhin: EGP-Kongress.

Sprich, ich habe nicht viel bis gar keine Zeit.

Aber: Was sollte ich mir denn unbedingt ansehen? Was mitbringen? Was sein lassen? Ich sollte vielleicht dazu sagen, dass ich keinerlei Kenntnisse der französischen Sprache habe. (Na gut, ich kann mittlerweile ein belegtes Brötchen bestellen und zum fluchen und Kaffee bestellen reicht es auch - Lebenswichtige Dinge halt.)

29Sep/112

Heute vor einem Jahr

...stand ich fassungslos im Stuttgarter Schlossgarten und haute mit den letzten Resten meines Akkus tweets in meine timeline. tweets, die mir, wenn ich sie heute durchlese, immernoch einen Schauer über den Rücken jagen.
Vor meinem Auge tauchen dann Bilder von Wasserwerfern auf, ich höre schreiende Menschen, ich sehe mich selber, wie ich von aufmarschierenden Polizisten zur Seite gestoßen werde. Und, ich rieche die tränengasgeschwängerte Luft. Die Szenerie im Stuttgarter Schlossgarten war seltsam unwirklich, skuril und unfassbar. Da zielten Polizisten aus nächster Nähe auf Demonstranten - aber schon 500 Meter weiter weg war davon nichts mehr zu hören oder zu sehen.

Als Mitarbeiterin der Grünen Landtagsfraktion war ich von Anfang an vor Ort. Ich sah, wie eine eigentlich friedliche und fast freundliche Szenerie innerhalb einer halben Stunde umschlug, wie Polizisten plötzlich ihre Helme aufsetzen und wie Landtagsabgeordnete sich trotz ihres Ausweises nicht mehr frei bewegen durften. Das Ganze war geprägt von einer totalen Überforderung der Einsatzkräfte - so kam es mir jedenfalls vor.

Und ich weiß noch, wie ich abends halb durchnässt und total aufgewühlt nach Hause kam und den Fehler machte, mir in der mediathek der ARD ein Interview mit dem damaligen Innenminister anzusehen, der eiskalt eben diese Tatsachen leugnete, die ich mit eigenen Augen gesehen hatte. Ich hatte vorher schon nicht viel Vertrauen in Irgendwas, aber das hat selbst mich nachhaltig schockiert.

Und wenn ich mich heute daran zurück erinnere, dann bin ich umso mehr der Meinung, dass die alte Regierung aus CDU und FDP in Baden-Württemberg absolut zurecht abgewählt wurde. Und ja, es ist wahr, dieses "Regieren" mag nicht einfach sein und auch die Grünen (und die SPD) machen ihre Fehler und Politik ist sowieso schlecht und unsere Gesellschaft eh ein Deppenhaufen - aber das, was heute vor einem Jahr (übrigens an einem ähnlich schönen Spätsommertag wie heute) im Schlossgarten (und im Nachhall dazu) abgelaufen ist, hat völlig zurecht einen Prozess in Gang gesetzt, der letztlich zur Abwahl geführt hat. So etwas hätte einfach nicht passieren dürfen. (Auf der anderen Seite ist es auch spannend zu sehen, wie schnell eine Situation außer Kontrolle geraten kann, Stichwort "Kontrollverlust" und so, aber das nur am Rande.)

Ich werde jedenfalls morgen in den Schlossgarten gehen und mich an diesen komischen Tag erinnern.

Wo ich hier so dumm rumsitze und an die Geschehnisse von vor einem Jahr denke, wird mir auch erst bewusst, was für mich persönlich in diesem Jahr alles passiert ist. Bewegte Zeiten.

In diesem Sinne:

26Sep/110

Im Westen nix Neues.

Immer diese Müdigkeit. Zu wenig Schlafen, zu früh aufstehen, zu viel Bier, zu wenig Bier, zu viel essen, zu wenig essen, zu wenig aufräumen - im Leben und in der Wohnung, zu wenig Zeit, zu viel Selbstmitleid, zu viel Gejammer, zu viel Pessimismus, zu viel Optimismus, zu viel Leben, zu wenig Leben. Und immer diese Wiederholungen.

Kein Wunder, dass hier gerade so wenig Neues veröffentlich wird.

12Sep/112

Was schreibt man eigentlich…

...nach so einem rant-post mit ganz vielen Klicks und mehr oder weniger w(h)itzigen Diskussionen?

Ganz einfach: nüscht.

Am Wochenende war ich in den Alpen wandern. Hier ein paar Bilder:

Rum.

Rum,

Der Berg ruft.

Schatten.

Spielplatz.

Kuh.

Bier.

See.

Frühstück.

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7Sep/1122

Frauen, ab in eure Schublade.

Morgen erscheint die mit Spannung erwartete erste Ausgabe der deutschen wired und das ist ja eigentlich ein Grund zur Freude.
Eigentlich deshalb, weil die Sache, so wie alles, einen Haken hat. Und zwar hat sich der Verlag, also Condé Nast, dazu entschlossen, die wired der neusten Ausgabe der Männerzeitschrift "GQ" beinzulegen.

Im wired-blog wird das folgendermaßen begründet:

Es ist eine Chance für beide Marken – den GQ-Fans wird WIRED vorgestellt, den WIRED-Fans die GQ. Wer einen Blick auf unser Verlagsportfolio wirft, die Titel und ihre Leserstrukturen kennt, dem dürfte klar sein, dass das Bundle mit GQ die einzig sinnvolle Kombination ist.
Und: So groß, wie in manchen Blogeinträgen beschrieben, sind die Welten zwischen beiden Leserkreisen gar nicht. GQ hat naturgemäß vorwiegend männliche Leser, die US-WIRED ebenfalls – 72 %, um genau zu sein. Viele der GQ-Leser interessieren sich für Technologiethemen und technische Innovationen (laut AWA 62% vs. 24 % in der Gesamtbevölkerung) und dürften auch in WIRED spannenden Lesestoff entdecken. Unter den Lesern beider Titel sind überdurchschnittlich viele Akademiker und beruflich erfolgreiche Menschen mit entsprechend solidem Einkommen.

Soweit, so nachvollziehbar. Ich denke, fast jedem Menschen leuchtet ein, dass so ein Magazinneustart ein gewisses unternehmerisches Risiko mit sich bringt und der Verlag versucht, dieses zu minimieren.

Dann steht da aber auch folgender Satz: Ich behaupte, dass keine der Frauen, die sich in Tech-Blogs über das Bundle mit GQ echauffierten, regelmäßig VOGUE liest und da fange ich dann an, mich aufzuregen.
Los, deutsche Frau, geh in deine Schublade zurück! Wenn du freiwillig in Tech-Blog schreibst, dich also mit den Nerds und Geeks unterhälst, von denen wir ja spätestens seit RTL wissen, dass sie ungewaschen und merkwürdig sind, dann bist du garantiert nicht an Mode oder ähnlichem interessiert. Nein, du stellst dich jeden morgen blind vor deinen Kleiderschrank und das erste, was dir da entgegen fällt, dass ziehst du an. Machen die Jungs, die in Tech-Blogs schreiben, schließlich alle genauso. Du interessierst dich auch nicht für Kunst, Musik, Reisen und all die anderen Dinge, über die man so in der VOGUE lesen kann. Dafür hast du ja auch gar keine Zeit, denn du musst dich ja schließlich in Tech-Blogs, auf twitter und sonstwo darüber ärgern, dass du ein Mal in deinem Leben eine GQ kaufen musst. Wozu die Aufregung? Du kannst sie doch einfach weiterverschenken, denn so emanzipiert wirst du als WIRED-Leserin ja wohl hoffentlich sein.
Warum, liebe Wired-Herausgeber, könnt ihr nicht einfach akzeptieren, dass es Menschen (Männer wie Frauen) gibt, die es einfach nicht einsehen, warum sie ein Heft nicht alleine kaufen können. Warum könnt ihr das nicht einfach hinnehmen. Warum müssen da gleich wieder die althergebrachten Schubladen herhalten.
Warum kann man nicht einfach akzeptieren, dass es Frauen gibt, die sich für "Nerd-Themen" interessieren, aber trotzdem nicht aussehen wollen, wie ein Besen? Schließlich kann man sich ja auch (berechtigerweise) über RTL aufregen, die mit ihrer Berichterstattung zur GamesCom alle Gamer in eine merkwürdige Schublade stecken.
So emanzipiert könntet ihr doch eigentlich sein, oder?

edit: Weil es vielleicht nicht so klar ersichtlich ist: Die "VOGUE" dient in meiner Argumentation lediglich als Platzhalter. Ebenso wie die Themen Kunst, Musik und Reisen. (Im Gegenteil, müsste ich jemandem eine Zeitschrift empfehlen, ich würde definitiv nicht als erstes die VOGUE erwähnen) Was mich ärgert ist dieses "Frauen, die in Tech-Blogs schreiben lesen sicher nicht..." und so weiter, weil genau das so eine Schublade ist, in die ich nicht gesteckt werden möchte und in die ich auch niemanden, egal ob Frau oder Mann oder was auch immer, stecken möchte.

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