Frauen, ab in eure Schublade.
Morgen erscheint die mit Spannung erwartete erste Ausgabe der deutschen wired und das ist ja eigentlich ein Grund zur Freude.
Eigentlich deshalb, weil die Sache, so wie alles, einen Haken hat. Und zwar hat sich der Verlag, also Condé Nast, dazu entschlossen, die wired der neusten Ausgabe der Männerzeitschrift "GQ" beinzulegen.
Im wired-blog wird das folgendermaßen begründet:
Es ist eine Chance für beide Marken – den GQ-Fans wird WIRED vorgestellt, den WIRED-Fans die GQ. Wer einen Blick auf unser Verlagsportfolio wirft, die Titel und ihre Leserstrukturen kennt, dem dürfte klar sein, dass das Bundle mit GQ die einzig sinnvolle Kombination ist.
Und: So groß, wie in manchen Blogeinträgen beschrieben, sind die Welten zwischen beiden Leserkreisen gar nicht. GQ hat naturgemäß vorwiegend männliche Leser, die US-WIRED ebenfalls – 72 %, um genau zu sein. Viele der GQ-Leser interessieren sich für Technologiethemen und technische Innovationen (laut AWA 62% vs. 24 % in der Gesamtbevölkerung) und dürften auch in WIRED spannenden Lesestoff entdecken. Unter den Lesern beider Titel sind überdurchschnittlich viele Akademiker und beruflich erfolgreiche Menschen mit entsprechend solidem Einkommen.
Soweit, so nachvollziehbar. Ich denke, fast jedem Menschen leuchtet ein, dass so ein Magazinneustart ein gewisses unternehmerisches Risiko mit sich bringt und der Verlag versucht, dieses zu minimieren.
Dann steht da aber auch folgender Satz: Ich behaupte, dass keine der Frauen, die sich in Tech-Blogs über das Bundle mit GQ echauffierten, regelmäßig VOGUE liest und da fange ich dann an, mich aufzuregen.
Los, deutsche Frau, geh in deine Schublade zurück! Wenn du freiwillig in Tech-Blog schreibst, dich also mit den Nerds und Geeks unterhälst, von denen wir ja spätestens seit RTL wissen, dass sie ungewaschen und merkwürdig sind, dann bist du garantiert nicht an Mode oder ähnlichem interessiert. Nein, du stellst dich jeden morgen blind vor deinen Kleiderschrank und das erste, was dir da entgegen fällt, dass ziehst du an. Machen die Jungs, die in Tech-Blogs schreiben, schließlich alle genauso. Du interessierst dich auch nicht für Kunst, Musik, Reisen und all die anderen Dinge, über die man so in der VOGUE lesen kann. Dafür hast du ja auch gar keine Zeit, denn du musst dich ja schließlich in Tech-Blogs, auf twitter und sonstwo darüber ärgern, dass du ein Mal in deinem Leben eine GQ kaufen musst. Wozu die Aufregung? Du kannst sie doch einfach weiterverschenken, denn so emanzipiert wirst du als WIRED-Leserin ja wohl hoffentlich sein.
Warum, liebe Wired-Herausgeber, könnt ihr nicht einfach akzeptieren, dass es Menschen (Männer wie Frauen) gibt, die es einfach nicht einsehen, warum sie ein Heft nicht alleine kaufen können. Warum könnt ihr das nicht einfach hinnehmen. Warum müssen da gleich wieder die althergebrachten Schubladen herhalten.
Warum kann man nicht einfach akzeptieren, dass es Frauen gibt, die sich für "Nerd-Themen" interessieren, aber trotzdem nicht aussehen wollen, wie ein Besen? Schließlich kann man sich ja auch (berechtigerweise) über RTL aufregen, die mit ihrer Berichterstattung zur GamesCom alle Gamer in eine merkwürdige Schublade stecken.
So emanzipiert könntet ihr doch eigentlich sein, oder?
edit: Weil es vielleicht nicht so klar ersichtlich ist: Die "VOGUE" dient in meiner Argumentation lediglich als Platzhalter. Ebenso wie die Themen Kunst, Musik und Reisen. (Im Gegenteil, müsste ich jemandem eine Zeitschrift empfehlen, ich würde definitiv nicht als erstes die VOGUE erwähnen) Was mich ärgert ist dieses "Frauen, die in Tech-Blogs schreiben lesen sicher nicht..." und so weiter, weil genau das so eine Schublade ist, in die ich nicht gesteckt werden möchte und in die ich auch niemanden, egal ob Frau oder Mann oder was auch immer, stecken möchte.

September 7th, 2011
Es ist sogar möglich, ohne den Konsum jeglicher Frauenzeitschriften durchs Leben zu kommen und trotzdem nicht als “stinkender Besen” zu gelten.
September 7th, 2011
@dyfa
ich habe von solchen bedauerlichen Einzelfällen gehört.
September 7th, 2011
DANKE!
Hinzu kommt: Wieso gehen die davon aus, dass (männliche) Wired-Leser automatisch das niveaulose GQ-Geschunde lesen wollen? Ich behaupte das Gegenteil!!
September 7th, 2011
@habichthorn: Gut geschrieben, danke!
@laprintemps: Gut, dass das auch mal jemand sagt!
September 7th, 2011
Es ist eine dumme Entscheidung vom Verlag, schön die Klischees bedienen.
Kurzfristig steigern sie den Verkauf von GQ – war vielleicht der Plan hinter der ganzen Aktion
September 7th, 2011
@laprintemps +1
September 7th, 2011
> Ich behaupte, dass keine der Frauen, die sich in Tech-Blogs über das Bundle mit GQ echauffierten, regelmäßig VOGUE liest
Mit Verlaub, aber vermutlich wird das stimmen. Kein Grund sowas persönlich zu nehmen, es ist doch nur eine Unternehmensentscheidung. Ich lese da auch nicht heraus, dass alle Wired-Leserinnen (oder -Streiterinnen) jetzt zwangsläufig häßliche Besen sind. Denn das wäre nach Deiner Aufregung ja die Schlußfolgerung? Verlag bezeichnet Tech-Frauen als häßlich, weil die „eh nicht die Vogue lesen.“ Ich persönlich würde die Aussage anders interpretieren: „Die klassische Vogue-Leserin liest nicht die Wired, sonst hätten wir das Heft dort auch beigelegt“.
Viel Aufregung um nichts.
September 7th, 2011
@nik
Woher will denn der Verlag (oder du) wissen, ob es solche Frauen nicht gibt? Gegen den unternehmerischen Ansatz, die Wired der GQ beizulegen, habe ich ja gar nichts gesagt, mich stört die Verallgemeinerung dabei.
September 7th, 2011
Du regst dich über eine Zuspitzung auf und polemisierst selbst munter drauf los. Wer nicht rumlaufen will “wie ein Besen”, muss regelmäßig die Vogue lesen? Wer sich für Reisen, Kultur und Musik interessiert, informiert sich darüber in der Vogue?
Wie sieht es denn mit deinem persönlichen Vogue-Konsum aus?
(ich tippe (und hoffe), dass auch die meisten männlichen Wired-Leser die GQ blöd finden, akzeptiere aber die Annahme des Verlags, dass mehr GQ-LeserInnen sich für die Wired interessieren als Vogue-LeserInnen.)
September 7th, 2011
@Milhouse
es ist ein rant und ein rant lebt (für mich) auch von der Zuspitzung. Wenn du meinen Text allerdings so verstehen möchtest, wie du schreibst, tu dir keinen Zwang an. Ich denke aber, es kommt ganz gut rüber, dass ich mich gerade gegen diese Art und Weise der Schubladendenke verwehre. Mir persönlich ist es scheißegal, ob jemand aussieht wie ein Besen oder nicht und ob er/sie/es nun die Vogue liest oder nicht oder GQ oder die Bibel.
September 7th, 2011
Wieso gehst du davon aus, dass der Name Wired hält, was er verspricht? Ist eine deutsche Ausgabe eines Magazins je an das (amerikanische) Original herangekommen? Wenn das Heft mit der GQ gebündelt wird, sollte es doch die Interessen deren Leser ansprechen. Oder wird die GQ in Zukunft nur noich Bilder enthalten, weil die Artikel alle in Wired stehen?
September 7th, 2011
Dass du dich gegen Schubladendenken verwehrst ist mit klar. Ich finde es nur problematisch, dass du dem Autoren Klischeedenken unterstellst, dass sich in seiner Antwort gar nicht findet. Wenn man spekuliert, dass jemand nicht regelmäßig die “Vogue” liest, unterstellt man damit nicht automatisch, dass dieser jemand überhaupt nicht an Mode, Kultur oder Reisen interessiert ist.
Aber du behauptest, dass der Wired-Blogger genau das tut. Und das ist unredlich, Rant hin oder her.
September 7th, 2011
@milhouse
nein. Tue ich nicht. Im Übrigen möchte ich die “VOGUE” auch nur als Metapher verstanden sehen. Und “Mode, Kultur und Reisen” sind auch nur Beispiele für Interessen, die über “Tech-Blogs” lesen, hinausgehen.
September 7th, 2011
Doch, genau das tust du, wenn du schreibst:
“Los, deutsche Frau, geh in deine Schublade zurück! Wenn du freiwillig in Tech-Blog schreibst, dich also mit den Nerds und Geeks unterhälst, von denen wir ja spätestens seit RTL wissen, dass sie ungewaschen und merkwürdig sind, dann bist du garantiert nicht an Mode oder ähnlichem interessiert.”
Du paraphrasierst den Satz des Autors und legst ihm dabei die genannten Aussagen in den Mund.
Wir reden hier über Kinkerlitzchen, aber einfach zu leugnen, was klar und deutlich im eigenen Text steht ist nicht cool.
September 7th, 2011
@milhouse
Das Schöne an einem geschriebenen Text ist ja, dass jeder ihn so interpretieren kann, wie er denn möchte.
In diesem Sinne,
der habicht
September 7th, 2011
Dass ich Geld für eine GQ ausgeben muss, um eine Wired zu bekommen, hält mich auch als Mann vom Kaufen ab.
September 7th, 2011
Wie ist denn der Abschnitt “Los, deutsche Frau …” sonst zu verstehen? Welche Perspektive nimmst du denn ein?
Dein Text ist doch kein frei im Raum herumflirrendes dadaistisches Kunstwerk, das man beliebig interpretieren kann.
September 7th, 2011
Mit dem letzten Kommentar hat Millhouse wohl recht. Es bleibt die Frage, wieso er denn Text aber dann mutwillig falsch interpretiert.
Die GQ las ich einmal im Wartezimmer meiner Zahnärztin. Mit haben die auf der Titelseite angekündigten Artikel sehr gut gefallen, da es entweder um Sex oder Grillen ging (oder wie man Frauen ins Bett grillt). Wenn das jetzt also überdurchschnittlich gut gebildete Leute lesen, sollte ich mir schnell das Hirn wegsaufen.
September 7th, 2011
@Milhouse
Sie gehören dann auch zu den Menschen, die davon im Sinne der politischen Korrektheit davon ausgeht, dass mit dem Wort “Leser” nur die männlichen angesprochen werden?
Was an dieser Aussage ein Aufreger ist, sind doch nicht die Wörter Vogue und Wired – die als Markennamen jawohl für sehr mehr stehen als nur eben das entsprechende Produkt sondern auch für das Image des Produktes und damit die Zielgruppe. Was empört, ist hier doch das Wort “behaupte” – wenn wir schon so engstirnig Texte lesen. Die Aussage, dass statistisch gesehen es eher unwahrscheinlich ist eine Frau zu finden, die beide Produkte kauft, oder sich eben mit beiden zu identifizieren, ist ja nicht wirklich strittig. Die Wörter “Ich behaupte, dass keine Frau…” sind hier die Offenbarung des Schubladendenkens des Autors. Eine rein subjektive Ansicht, die offenbar nicht mit Fakten unterfüttert werden muss.
September 7th, 2011
Ich sehe das genau wie Milhouse. Hier wurde künstlich ein Aufreger konstruiert.
> Gegen den unternehmerischen Ansatz, die Wired der GQ beizulegen, habe ich ja gar nichts gesagt, mich stört die Verallgemeinerung dabei.
Ja welche denn?
> althergebrachte Schublade
„Frauen und Technik“. Das wäre eine solche. Davon handelt der kritisierte Satz aber gar nicht:
> dass keine der Frauen, die sich in Tech-Blogs über das Bundle mit GQ echauffierten (1), regelmäßig (2) VOGUE liest.
Die Grundaussage bezieht sich auf die Frage „Warum legt man die WIRED dann nicht auch einer Frauenzeitschrift bei?“ und ist doch:
- die US Wired hat 72 % Männeranteil an Lesern
- die anteilig weiblichen Kritiken kritisieren ohnehin nicht, dass das Heft nicht auch der Vogue beiliegt (denn sie sind wohl statistisch eher nicht die klassischen Vogue-Leser)… sondern eben nur dass es ein Bundle gibt.
Warum Du als Autorin jetzt daraus ein Feminismusding machen musst, verstehe ich nicht. Wenn Dein Standpunkt ist „die es einfach nicht einsehen, warum sie ein Heft nicht alleine kaufen können“, warum beziehst Du Dich nicht darauf und machst hier die Schubladendiskussion auf?
September 7th, 2011
Ich werde an dieser Stelle keine Feminismusdiskussion aufmachen. Mich stört vorallem die Schublade. Das die Überlegung ökonomisch betrachtet durchaus Sinn macht, habe ich bereits beschrieben. Die Verallgemeinerung finde ich scheiße. Punkt und aus.
September 12th, 2011
Ich bin ein technisch interessierter Mann mit VOGUE-Abo und einem teilweise technischen Low-Traffic-Blog! Und ich hab null Interesse daran, die GQ zu besitzen.