JUST ANOTHER FEMALE BLOGGER Ein Versuch.

11Jul/112

Bratwurst und Politik

Heute hat David McAllister, seineszeichens Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, sich mit markigen Worten zitieren lassen.

So sagt er im Interview mit dem Tagesspiegel unter anderem:

"Das schnelle Internet birgt eben viele Chancen und ebenso Risiken. Es ist doch verständlich, dass viele Eltern die neuen Entwicklungen im Web, zum Beispiel Facebook, mit Sorge beobachten. Nicht alles, was in sozialen Netzwerken passiert, ist auf Anhieb nachvollziehbar. Jeder teilt jedem mit, was er gerade macht, denkt und fühlt. Das ist ein neues Phänomen. Es fällt mir manchmal schwer, den persönlichen oder gesellschaftlichen Mehrwert zu erkennen."

Da haben wir sie wieder, die in Deutschland ach so beliebten Risiken. Ich meine, ich sehe ja ein, dass es Dinge gibt, die zweifelsohne riskant sind, der Versuch, blind und in der Rushhour eine Autobahn zu überqueren zum Beispiel, aber was am schnellen Internet so risikoreich sein soll, hat sich mir noch nie erschlossen. Aber vielleicht kann Herr McAllister mir das ja mal erklären.

Er sagt nämlich auch: "In den acht Jahren, in denen ich Mitglied im Koalitionsausschuss von CDU und FDP in Hannover bin, ist kein einziges Mal ein Detail an die Öffentlichkeit gedrungen. Das ist in Berlin-Mitte offenkundig sehr schwierig. Mit dieser Einschätzung stehe ich nicht allein."

Da liegt dann auch der Hund im Pfeffer und der Hase in der Pfanne: Politik war lange Zeit eine Art Geheimveranstaltung weißer, mittleralter Männer, die die Geschicke des Landes weise und immer korrekt ausgestaltet haben. Nachdem in den letzten Jahren schon Frauen, jüngere Menschen und andere Randgruppen mit zunehmendem Erfolg ein Stück vom Mitbestimmungskuchen eingefordert haben, soll Politik jetzt auch noch transparent werden? Das geht doch nicht, findet Herr Mc Allister.

Herr McAllister kann daher auch völlig zurecht Kollegen zurückweisen, die "uninteressante Sachen" an die Öffentlichkeit geben. Denn Herr McAllister weiß nämlich, was das gemeine Internetvolk lesen will und was nicht.
Ein Blick auf seine Twitterpage spricht da Bände. Und Bratwürste, das weiß Herr McAllister ganz genau, gehören nicht dazu.

Da passt nur gut ins Bild, dass die Stuttgarter Zeitung heute etwas zur Social-Media-Aktivität der neuen Landesregierung von Baden-Württemberg schreibt.
Hier wird kritisch angemerkt, dass Alexander Bonde, Minister für den Ländlichen Raum, "selbst offizielles" über seinen Twitterkanal verbreite. das die Stuttgarter Zeitung so ein Verhalten kritisiert, ist natürlich überaus verständlich. Es kann doch nicht sein, dass ein Minister seine Follower direkt informiert, ohne den herkömmlichen Weg über Pressemitteilungen und Redaktionsgespräch bei der Stuttgarter Zeitung zu gehen. Nachher sind die Menschen dank dieses schnellen Internets sogar früher informiert als der Lokaljournalist. Und nachher kommuniziert der Minister auf diese Art und Weise direkt mit seinen WählerInnen. Und so etwas, das haben wir ja von David McAllister gelernt, ist höchst bedenklich und birgt Risiken. Und das kann doch niemand wollen, oder doch?

veröffentlicht unter: Arbeit, Meinung, Politik Kommentar schreiben
Kommentare (2) Trackbacks (1)
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  2. Kommunikation mit dem Wähler? Also nee, was ihr Grünen da einreißen lasst! Und dann auch noch übers Grillen twittern? Also wirklich.

    Großes Offtwitter-HACH für den Eintrag! :)


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